Fortbildung „Pädagogin für orientalischen Tanz & Beckenboden“

Die berufsbegleitende Fortbildung zur Pädagogin für orientalischen Tanz und Beckenboden setzt einen regelmäßigen Besuch der Kurse der Tanzschule SusanNabila voraus. Zusätzlich müssen alle sechs Fortbildungsmodule absolviert werden. Die Module können auch einzeln gebucht werden, in dem Fall kann nur die Teilnahme bestätigt werden, und es gibt kein Abschlusszertifikat. Dies kann z.B. für Pädagoginnen interessant sein, die sich nur in einem Bereich fortbilden möchten. Die Module eins und zwei bauen aufeinander auf.

Jedes Modul dauert von Freitag bis Sonntag, und umfasst 16 UE

Teil 1: Grundlagen der Tanzpädagogik im orientalischen Tanz

Orientalischer Tanz ist vielseitig. Ebenso vielseitig sind die Gründe, sich diesem in Lehre und Praxis zu widmen. Im ersten Teil der Fortbildung beschäftigen wir uns daher sowohl mit anatomischen Grundlagen (Modul 2) als auch den originär pädagogischen Ansätzen für die Körper- und Bewegungsschulung (Modul 1).

Modul 1 Grundlagen Tanzpädagogik

Im ersten Modul beschäftigen wir uns mit der Didaktik der Körper- und Bewegungsschulung. Im Theorieteil wird sich dabei vor allen Dingen auf Erfahrungslernen, Körperselbsterfahrung und Exploration bezogen. Dazu gibt es eine Einheit zur Psychodynamik des Tanzes:

  • Bindungstheorie (Bowlby) und die Erlaubnis zur Selbstexploration, in Kontakt gehen, sich selbst und den anderen spüren
  • Begegnung erfahren, mit Nähe und Distanz arbeiten, Sicherheit und Vertrauen gewinnen, alleine stehen und verbunden sein
  • Blockaden und Ängste erkennen (Angst vor Größe, Hemmungen Raum zu ergreifen, Angst vor Kleinsein, Angst vor der Zentrifugalkraft, Angst vor Geschwindigkeit, Angst vor erotischen erleben, Bewertungsangst, Schamempfinden, Umgang mit gesellschaftlichen Schönheitsidealen)
  • Obige Phänomene bei sich selbst und anderen erkennen, Wertschätzung und bedingungslose Akzeptanz gegenüber diesen Problematiken (Rogers: Empathie, Kongruenz, Akzeptanz), offener Umgang mit den eigenen körperlichen Grenzen (Altern & Behinderung)

Besonderes Augenmerk wird einerseits auf die körperlichen Elemente (isolierte Bewegungen, nicht-muskulär-gestoppte Beinbewegungen und aus der Körpermitte ausgehende Bewegungen) und andererseits auf die Fragen der Persönlichkeitsbildung und Gruppendynamik gelegt.

Modul 2 Grundlagen Anatomie & Technik

Zunächst betrachten wir die menschliche Anatomie und verbinden diese Kenntnisse mit den Selbsterfahrungsübungen aus Teil 1 Modul 1. Durch das Benennen können bei gleichzeitigem Spüren differenziert sich das Körperschema aus. Durch Imitationsübungen unter den Teilnehmerinnen wird die Beobachtungsfähigkeit geschult, um die körperlichen Besonderheiten eines jeden Organismus zu erkennen (Inklusive Fehlhaltungen, orthopädische Einschränkungen, Platt-/Senk-Spreizfüße, Beckenmobilität, Bewegungsradius, etc.).
In einer gesonderten Einheit zum Beckenboden werden vergleiche zu Beckenbodengymnastik, Yoga, Pilates und ähnlichen Formen gezogen um das gemeinsame der Stärkungsübungen zu erkennen. Außerdem werden Grundkenntnisse zu häufigen Problemen nach Schwangerschaft und Geburt vermittelt sowie eine kurze Thematisierung der Rückengesundheit.

Teil 2: Gestaltung

Im zweiten Teil der Fortbildung widmen wir und den anatomischen, technischen und tänzerischen Gestaltungsformen.

Modul 1 Improvisation und Ausdruck

Improvisation und Ausdruck sind natürlich nicht nur im orientalischen Tanz ein wichtiger Bestandteil. In diesem Modul beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Techniken, Stilen, Ausdrucks- und Gestaltungsformen sowie Grundlagen der Improvisation. In der musiktheoretischen Einheit werden die wichtigsten Stile behandelt: Klassisch, Baladi, Folklore, Tsifteteli, American Tribal Style sowie moderne Entwicklungen. Hier finden ebenso Unterschiede im Solotanz und Gruppentanz Beachtung. Wichtig ist dabei auch ein Verständnis des historischen Entstehungskontextes und der arabischen Musik im Allgemeinen (Kanun, Nay, Rebab, Vionline). Zum besseren Verständnis der rhythmischen Strukturen werden die gängigsten Rhythmen selbst geklatscht und getrommelt.
Das Grundverständnis des Improvisierens (ABA‘) wird in Übungen mit ansteigenden Freiheitsgrad entwickelt – von einfachen Variationen ausgehend, wird über ein Verständnis der Verbindung einzelner Phrasen zuletzt die Fähigkeit entwickelt, zu gleich musikalisch und in Verbindung mit der eigenen Emotionalität einen expressiven sowie individuellen Stil zu entwickeln. Dabei legen wir Wert auf das Umarmen einer Vielfalt weiblicher Stile und deren harmonisches Miteinander zur gemeinsamen Musik.

Modul 2 Bewegungsabläufe

Basierend auf den anatomischen Grundlagen (Teil 1, Modul 2) kann nun ein technisches Verständnis des orientalischen Tanzes entwickelt werden. Es werden die Bewegungsabläufe detailliert untersucht und die entsprechenden Fachbegriffe für diese gelernt. Insbesondere die Prinzipien der Dialektik aus Isolation einzelner Körperteile und synthetischer, fließender Bewegung sowie die Dialektik aus Kreisbewegungen und Richtung werden theoretisch gelernt und praktisch ausgeführt.
Aus didaktischer Perspektive geht es um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen technischen Übungen und freiem Tanz. Der Wert technischer Übungen soll erschlossen werden, ohne dass diese zum Selbstzweck wird. Sie dient der gesunden und selbstfürsorglichen Ausführung der tänzerischen Bewegungen und ist als solche unerlässlich. Gleichzeitig ist sie nur Mittel zum Zweck des ästhetischen und individuellen Ausdrucks.

Teil 3: Choreografie

Im letzten Teil geht es schließlich um das Aufleiten einer Choreografie aus den Improvisationsübungen aus Modul 2 des 1. Teils. Der Kurs arbeitet demnach mit einem Verständnis von Choreografie-Entwicklung aus Improvisationen heraus. Choreografie = das Ergebnis verfestigter Improvisation. Durch ein Verständnis der Schwierigkeitsgrade unterschiedlicher Bewegungsabläufe soll es gelingen sowohl Choreografien für Einsteigerinnen als auch für weit Fortgeschrittene zu schreiben.

Modul 1 Grundlagen Choreografie Arbeit, Erarbeiten einer einfachen Gruppenchoreografie für Starterinnen

Das wichtigste Element in Choreografien für Starterinnen ist das Arbeiten mit Richtung und Formation. Durch Richtungswechsel und das kreative Spiel mit beweglichen Formationen (Aus Paaren werden Vierergruppen, von V nach U auf Linie, Sternförmige und versetzte Highlights etc.) kann leicht auch mit einfachen Mitteln ein schönes und stimmiges Bühnenbild erzeugt werden.
Für Kinder wird dabei besonderer Wert auf spielerische Elemente und ein kindgerechter Ausdruck gelegt. Für Jugendliche sind auch kreative Verbindungen mit Popmusik und Hip Hop-Schritten oft ein geeigneter Weg, den Zugang zu erleichtern. In der Begleitung Erwachsener sind Schamgefühle bei öffentlichen Auftritten ein besonderes Problem. Daher werden in dieser Einheit auch gruppendynamische Aspekte der Vorbereitung kleiner Auftritte (Stadtfest o.ä.) thematisiert. Choreografieren bedeutet schließlich auch eine Gruppe tatsächlich zur Gruppe zu machen und als solche zu begleiten.

Modul 2 Komplexe Choreografie für Solokünstlerinnen und Fortgeschrittene Gruppen

Für Fortgeschrittene Tänzerinnen steht der Sprung vom Nachtanzen zum Interpretieren einer Choreografie an. Es geht demnach nicht nur um komplexere Bewegungsabläufe, sondern auch um die Förderung der Musikalität und des Ausdrucks. Für Choreografinnen bedeutet dies zu lernen wie man mit einer Choreografie eine Geschichte erzählt, die von den Tänzerinnen nicht einfach nacherzählt, sondern erlebt werden kann.
Mit Rückgriff auf einfache Theaterpädagogische Übungen wird sich daher in diesem letzten Modul auf das Zusammenstellen eines runden, erzählerischen Auftritts konzentriert. Zentral ist außerdem der Umgang mit Heterogenität: Es werden kreative Lösungen für Größenunterschiede, Altersunterschiede und Leistungsunterschiede gefunden. Das oberste Lernziel dabei ist jede Tänzerin gut aussehen zu lassen, ohne sie zu verbiegen. Das Ziel einer Choreografin ist stets jeder einzelnen Tänzerin zu ermöglichen, dass sie als das strahlt, was sie ist. Dazu braucht es ein Gleichgewischt aus individueller Förderung und gemeinsamen Training, so dass im letzten Schritt die individuellen Talente ein harmonisches, gemeinsames Bild ergeben.